RaMChaL Rabbi Moshe Chaim Luzzatto
Enthüllungen der Weisheit
01. 02. 03. 04.
Adaption von Peter Staaden
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D I E   G R U N D L A G E

 

Enthüllung 2

 

Sein einziger Wunsch ist Gutes zu schenken. Sogar das Schlechte ist ein Mittel, durch das Er Gutes spendet. Auf diese Art wird Seine Einheit deutlich offenbart. 

Der Wille des Emanators, gesegnet sei Sein Name, ist nur gut, und folglich hat nichts Bestand außer Seiner Güte. Alles, was zuerst Böse ist, entsteht nicht aus einer anderen Herrschaftsebene, die gegen Ihn bestehen könnte. Letztendlich wird zweifellos alles gut, und dann wird enthüllt werden, dass es keinen anderen Bereich als den Seinigen gibt. 

Dies ist die Antwort auf den oben aufgeworfenen Einwand: Wenn der Höchste Wille es möchte, Kräfte in das Dasein zu bringen, die dazu in der Lage sind, Seiner Macht Begrenzungen zu setzen (als ob solch etwas möglich wäre), wäre dies zum Höchsten Willen nicht konträr, da Er es so wollte.  

Der Wille des Emanators, gesegnet sei sein Name, ist nur gut  - Wir können nicht sagen, dass der Höchste Wille die Existenz anderer Willen wünscht, die Kräfte besitzen, Ihn in irgend einer Hinsicht zu begrenzen. Denn der Höchste Wille wünscht nur Gutes, und es würde zweifellos nicht gut sein, wenn Seine Güte Seine Geschöpfe nicht erreichen könnte. Wenn man behauptet, dass die Natur von Güte so sei, das Rechtschaffene zu fördern und das Üble zu bestrafen, während "Mitleid für das Boshafte zeigen grausam wäre“ – sagt die Torah das Entgegengesetzte: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig bin, und erbarme mich, dessen ich mich erbarmen will.“ (Exodus 33:19)  „...obwohl er, der Böse, möglicherweise dessen nicht würdig sein kann." (Berachot 7a)  Es wird auch geschrieben, dass " ...Israels Schuld gesucht werden wird, und sie wird nicht da sein, - und die Sünden Judas, und sie sind nicht zu finden;..." (Jeremiah 50:20)  Hieraus erkennen wir, dass es der Wille G-ttes ist, sogar das Boshafte zu begünstigen und zu heilen.   

Wenn man argumentiert, dass all dies nur nach langer Verbannung und Bestrafung zutreffen würde, ist dies genau das Argument, was diese Aussage belegt. Denn wenn dem so ist, sehen wir, dass der Höchste Wille es mit sich bringt, dass schließlich jeder Nutzen und Heil erfährt. Daraus können wir buchstäblich ableiten, dass Sein Wille nur förderlich wirkt. Jedoch muss Er dies bei jedem entsprechend dessen Natur passend bewältigen. Es ist notwendig, die Bösen zu bestrafen, um ihnen danach zu verzeihen. Wenn es die Absicht wäre, das Böse zurückzuweisen, sollten sie im wahrsten Sinne des Wortes zerstört werden, anstatt sie zu bestrafen, um sich ihnen danach begünstigend zuzuwenden. Jedoch ist die Tatsache, dass sie bestraft werden, um sie später zu fördern, ein klarer Beweis dafür, dass Sein Wille nur dem Guten dient. Denn nur das beabsichtigte Resultat einer Handlung ist der ultimative Sinn und Zweck, der alle Teile dieser Handlung steuert. Am Ende empfangen alle Menschen, ob rechtschaffen oder böse, Güte. Wenn dem so ist, ist die entscheidende Absicht und das Ziel, allen das Gute zu schenken. Dies beweist, dass sein Wille ausschließlich gut ist.  

Folglich wird nichts anderes überdauern als Seine Güte.  - Wahrnehmend, dass Sein Wille ausschließlich fördern und heilen soll, muss es so sein, dass die Dinge nicht endlos in ihrem aktuellen Zustand fortbestehen. Angenommen, Er würde die Zerstörung der Boshaften nicht verachten, dann hätten wir sagen können, dass ihre Bestrafung nicht schlecht sei, sondern würden meinen, „Unheil verfolgt die Sünder, doch den Gerechten belohnt Er mit Glück" (Spüche 13:21) und ihre Bestrafung sei eine angemessene Vergeltung, wie oben besprochen. Nun, da wir gesagt haben, dass dies nicht Sein Weg ist, Er aber den Sünder bestraft, um ihn zur Reue und Umkehr zu bringen, und ihn danach zu begünstigen, wenn dem so ist, dann ist die Bestrafung an sich schlecht. In dieser Weise kann es nicht für immer fortgeführt werden. Es muss zu einem Ende kommen, damit der Sünder erlöst werden kann. Da die Bestrafung schlecht ist, ist sie gegen den Höchsten Willen. Und da sie nicht in jedem einzelnen Fall für immer weiterbestehen kann, kann sie nicht in der Welt als Ganzes für immer fortgesetzt werden, denn sie ist gegen den Höchsten Willen.

Lassen Sie mich nun abschließend demonstrieren, dass das Unheil in der Welt als Ganzes zu einem Ende kommen muss. Für das beabsichtigte Resultat jeder möglichen Handlung ist es die ultimative Zielsetzung, die alle Teile dieser Handlung steuert. Nun ist das Endresultat des vollständigen Zyklus, durch den alle Menschen hindurchgehen, sogar einschließlich der Bösen, gut. Wenn dem so ist, dann ist das letztendliche Ziel, der ultimative Sinn und Zweck des kompletten Ablaufs in allen seinen Teilen gut. So haben wir den Beweis, dass die ultimative Absicht des gesamten Kreislaufs gut ist. Jedoch ist es der Höchste Wille, der den vollständigen Zyklus hervorbringt. Da das ultimative Ziel des Ablaufs gut ist, muss auch der ganze Sinn des Höchsten Willens nur gut sein. So haben wir ebenso den Beweis, das die gesamte Zielsetzung des Höchsten Willens ausschließlich gut ist. 

Lassen Sie uns nun betrachten, ob die Bestrafung, die der Böse vor dem Ende erleidet, gut oder schlecht ist. Wenn etwas endet, ist es unterschiedlich zu dem, wie es am Anfang war, der Anfang und das Ende sind nicht von der gleichen Art. Das Ende des Kreislaufs, den die Bösen durchlaufen, ist unterschiedlich zu dem, wie er am Anfang war. Denn am Ende erreichen sie das Gute, während sie vor dem Ende Bestrafung erleiden. Wenn dem so ist, dann sind der Anfang und das Ende des Zyklus nicht von der gleichen Beschaffenheit. Das Ende ist gut, so wie dies die ursprüngliche Absicht des Willens war, der den gesamten Ablauf hervorbringt. Jedoch ist das Zwischenstadium oder die Hilfsmittel, nämlich die Bestrafungen, die vor dem Ende kommen, nicht in der gleichen Kategorie anzusehen wie das Ende. In dem Falle, da dasjenige, was vor dem Ende kommt nicht gut ist, ist es nicht das, was ursprünglich durch den Willen gewünscht wurde, der den Zyklus hervorbringt. Wenn wir einwenden: Weshalb existiert es dann?, ist die Antwort, dass es nicht möglich ist, das Ende ohne es zu erreichen. Wenn es möglich wäre, das Ziel ohne dieses Mittel zu erlangen, wäre dessen Existenz für das Dazwischenliegende nicht genau das Passende.

Aus alledem darf gefolgert werden, dass die Bestrafung schlecht ist und sie das Entgegengesetzte ist, was durch den Höchsten Willen gewünscht und beabsichtigt wird. Jedoch besteht sie als notwendiges Hilfsmittel, durch die Seine Geschöpfe das endgültige Ziel erreichen werden. Wenn es möglich wäre, dieses letzte Ende ohne dieses Hilfsmittel zu erlangen, so wäre es besser gewesen, gegeben, dass sein Wille dem Guten dient. Gerade da, wo in einzelnen Fällen Bestrafung zugefügt wird, ist es das Entgegengesetzte von Seinem Willen, der besteht, damit es schließlich zu einem Ende kommen muss. So können wir schließlich ableiten, dass Bestrafungen im allgemeinen im Ablauf der Welt gegen den Höchsten Willen sind, und sich letztendlich ändern müssen.  

Da der Höchste Wille plante, dass alle einzelnen Bestandteile der Schöpfung zum Schluss nur Gutes gewinnen werden, muss es Seine Absicht sein, die gesamte Welt dahin zu bringen, schlussendlich nur Gutes zu erreichen. Gerade weil Er die Bestrafungen verursachte, die ausreichend und geeignet sind, jeden Einzelnen dahin zu bringen, das Gute zu guter letzt zu empfangen, hat Er die Macht, eine Art Bestrafung zu verursachen, oder was auch immer sonst es für die gesamte Welt sein solle, die zuerst schlecht ist, jedoch im gut sein enden wird. Es ist zweifellos zutreffend, dass Sein Wille nur dem Guten dient, und das ist, was für immer überdauern wird. Denn Seine Macht west ewiglich und nur Sein Wille behält die Herrschaft. Wenn das Werkzeug, dieses Ende zu vollenden, das Unheil und Übel ist, untergräbt dies nicht Seine Absicht, jeden zu fördern, denn Übel ist gerade das Hilfsmittel zum Guten. Im Gegenteil wird Seine gute Absicht schließlich enthüllt werden, und das beabsichtigte Resultat wird für immer fortdauern. Denn was aus dem gesamten Zyklus auf jeder Seite herauskommt, ist nur Seine wesentliche Güte. 

Alles, was zuerst Übel ist, entspringt nicht aus einem anderen Herrschaftsbereich, der gegen Ihn bestand haben könnte. Nun, da wir verstehen, dass am Ende alles, was Er tut, gut sein muss, können wir eine andere Wahrheit erfassen. Sie lautet, dass es zweifellos nur einen Machtbereich gibt, gegensätzlich zur Behauptung der Ungläubigen, dass es zwei solcher Bereiche gäbe. Wenn wir sagen, dass unser G-tt Einer ist, ist es notwendig, zwei Dinge zu begreifen. Das erste ist, dass, obwohl wir solch eine Menge verschiedener Phänomene im Universum sehen, sowie so viele unterschiedliche und entgegensetze kausale Zusammenhänge erkennen, wir wissen, dass es selbst dann nur einen G-tt gibt, gesegnet sei Sein Name, und nur einen Willen. Der zweite Punkt, der aus der Aussage folgt, dass G-tt Einer ist, besagt, dass kein anderer Wille Ihn begrenzen kann, sogar wenn dieser durch Ihn ins Dasein bebracht wurde. Und es ist zweifellos unmöglich, dass zwei Mächte oder Reiche existieren, der eine Gutes erschaffend und der andere Schlechtes verursachend. HaShem, unser G-tt, HaShem ist Einer - mit jeder Art und Weise des Einsseins und der Einheit.   

Wenn es gegenwärtig so erscheint, als ob sich die Dinge durch eine andere Macht als G-tt ereignen würden, sei es eine Energie, die Er erschuf oder eine andere "unabhängige" Energie, ist dem nicht so. G-tt alleine, in Seiner immanenten Güte bringt alles hervor. Wir haben bereits besprochen, wie alles Schlechte, das jetzt besteht, nicht für immer Bestand hat. Am Ende wird alles gut sein, und wir werden wissen und rückwirkend verstehen, dass es nie irgend eine andere Macht oder ein anderes Herrschaftsgebiet gab. Denn eine unabhängige Kraft oder ein unabhängiger Machtbereich muss per Definition für immer bestehen. Dies liegt auf der Hand, denn jede mögliche Energie ist nur soweit unabhängig, wie nichts weiteres über sie Macht hat. Eine unabhängige Macht oder ein unabhängiges Herrschaftsgebiet ist eines, das in sich und aus sich alleine besteht. Von dem, was nicht ewiglich besteht, kann nicht gesagt werden, dass es eine unabhängige Kraft oder ein unabhängiges  Machtgebiet sei. Sobald wir dies verstehen, sehen wir, dass kein Wille, selbst keiner, den Er in die Existenz brachte, Ihn begrenzen kann. Ganz im Gegenteil ist der Sinn und Zweck des gesamten Zyklus, seine Oberherrschaft danach zu enthüllen und alle Dinge durch seine Güte zu vervollkommnen. Dies ist, was wir mit vollkommenem Vertrauen glauben müssen.  

Der Nutzen des Studierens der Weisheit der Kabbalah besteht daraus dies erkennen zu lernen und es klar verstehen zu können. Uns ist geboten worden, es so zu tun: "So erkenne denn heute und nimm es dir zu Herzen, dass der Ewige G-tt, HaShem, ist im Himmel oben und auf der Erde unten, keiner sonst!“ (Deuteronomium 4:39). Wie können wir das verstehen?  Wenn wir erfassen, wie der gesamte Ablauf des Universums von Anfang bis zum Ende gesteuert wird, sehen wir ganz deutlich, wie es beschaffen ist, und dass alles nur von G-tt herrührt, gesegnet sei Sein Name. Der Zweck von allem ist, dass nur Sein guter und wohltuender Wunsch für immer besteht, und nichts weiteres. Die wirklichen Dinge, die uns heute verwirren und den Bösen veranlassen, in Häresie zu verfallen, werden uns schlussendlich die Wahrheit enthüllen und uns Seine Wahrhaftigkeit zeigen, Einheit und Einssein in allen Formen.   

Aus dieser Diskussion können wir zwei Aspekte des Übels erklären, welches scheinbar in der momentanen Welt besteht. Der erste ist, dass es nicht aus einem anderen Herrschaftsgebiet auftaucht (G-tt bewahre!), das gegen Ihn bestehen könnte. Der zweite ist, dass zu guter letzt das Übel gut sein wird. Schlussendlich ist es zweifellos gut - denn es kann nicht gegen Seine Güte bestehen, nicht einmal in dem Sinne, wie bereits erklärt wurde, wo ein Wille, den Er in das Sein brachte, Ihn begrenzen könnte. Am Ende wird es gut sein. 

Überdies geschieht es genau auf diese Art und Weise, wie Eyn Sof uns Seine wahre Einheit bekannt gibt. Und dann wird enthüllt werden, dass es kein anderes Herrschaftsgebiet als das Seinige gibt. Hätte Er Seinen Geschöpfen ein sofortiges Verständnis Seiner Vollkommenheit gegeben, könnten sie wohl Seine vollständige Perfektion erkennen (insofern Er sie ihnen enthüllen würde) und Seine große Majestät und Ruhm erfassen. Jedoch würde dies nicht die Grundregel der Ungläubigen der früheren Generationen widerlegt haben, dass es unmöglich sei, etwas nur aus dessen Entgegengesetztem zu verstehen. Sie argumentierten, dass, wenn wir sagen, es gibt einen G-tt, der das ultimative Gute ist, muss (G-tt behüte) es auch einen anderen geben, der das ultimative Böse darstellt. Denn wenn es nicht so wäre, könne es keine Kenntnis vom ultimativen Guten geben.  

Um diese Behauptung zu widerlegen, hat G-tt das Böse gewollt und erschaffen, wie es geschrieben steht, "Ich bin der Ewige - und sonst keiner -, der das Licht bildet und das Dunkle schafft, der Heil wirkt und das Unheil schafft. Ich, der Ewige, und keiner sonst, der das alles wirkt." (Isaiah 45:7)  Auf diese Art und Weise ist das Entgegengesetzte sofort offenkundig, und dann ist es möglich, die Seite des Guten zu erfassen. Außerdem wissen wir, dass sogar dieses Unheil kein unabhängiges Herrschaftsgebiet aus einer eigenen Berechtigung war. Nur der omnipotente G-tt, gesegnet sei sein Name, hat die Macht, das hervorzubringen, was so erscheint, als ob es Sein absolutes Gegenteil sei. Denn dadurch erkennen wir Seine großartige Perfektion.

Unheil ist kein unabhängiger Bereich, G-tt bewahre. Es ist etwas, das von G-tt geschaffen wurde, damit Seine Geschöpfe erkennen mögen, was das Entgegengesetzte des Guten ist, damit sie nicht denken, dass es irgendein anderes Gegenteil gäbe. Denn der einzige Gegensatz ist der, der wirklich das Entgegengesetzte ist. Und wenn sie das Entgegengesetzte wahrgenommen haben und erkennen, dass es nichts außer Seiner Schöpfung gibt, dann werden sie ein klares Verständnis Seiner Vollkommenheit und Einheit besitzen. Dann wird die Torheit des Bösen und der Ungläubigen entblößt werden. Denn für die erschaffenen Reiche ist es in der Tat der Fall, dass eine Seite nur durch ihr Entgegengesetztes erkannt werden kann. Jedoch ist der Weg des Schöpfers in keiner Weise der Seiner Geschöpfe. Denn ein Geschöpf kann nicht das Gegenteil von sich selbst formen. Doch bildet Er Sein Entgegengesetztes, und dann negiert Er es - und Seine Einheit wird zur Vollkommenheit enthüllt! 

 

 

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Übersicht- Enthüllungen der Weisheit
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© Übersetzung von PETER STAADEN
http://kabbala-info.net

 English version by :
Rabbi Avraham Yehoshua Greenbaum

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