Die Geschichte
von der Suche nach dem kleinen Ner Dakik

von Peter Staaden

Es ist nicht lange her, da machte sich ein Mann auf die Suche nach einem Wesen Namens Ner Dakik. Niemals zuvor hatte er dieses Wesen gesehen, und doch hätte er schwören können, dass es irgendwo lebt.

Der Mann, der seine Frau und seine Kinder durch Krankheit verloren hatte, fristete sein bescheidenes Dasein als Flickschuster, in einer kleinen Hütte am Rande eines Ortes. Die anderen Menschen mochten ihn nicht besonders, weil er so wenig Gutes ausstrahlte, Pech und Armut förmlich an ihm klebten. Er redete scheinbar wirres Zeug, dass niemand verstand und auch niemand hören wollte. Nur wenige blieben längere Zeit bei ihm, als es für das Bringen und Abholen der Schuhe nötig war.

In diesen kurzen Momenten der Gesellschaft mit anderen sprach der Mann immer einen merkwürdigen Namen aus: "Ner Dakik", und er behauptete, es gäbe ein gleichnamiges Wesen, von dem er gehört habe und welches er unbedingt finden müsse.
Wenn er mit leuchtenden Augen "Ner Dakik" rief, und immer wieder: "Ner Dakik", wirkte er ganz und gar lächerlich für seine Kunden, die diese Worte nicht kannten und ihn für gänzlich verwirrt hielten.

Er selbst schien sich so sicher zu sein, dass es dieses Wesen wirklich gäbe, und daher war es nur eine Frage der Zeit, bis er tatsächlich seine sieben Sachen packte, seinen Wanderstab nahm, und frohen Mutes begann, nach dem kleinen Ner Dakik Ausschau zu halten.

Am ersten Tag seiner Suche begab er sich von Osten nach Westen aufs Land und fragte alle Personen, die dort in den Dörfern wohnten: "Habt ihr den kleinen Ner Dakik gesehen?"
Sie antworteten erstaunt: "Nein, wir kennen niemanden der so heißt. Wer oder was soll das denn sein?" - und da der Mann keine so rechte Antwort geben konnte, ließen sie ihn verständnislos stehen.
Doch so leicht ließ er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Er ging weiter und suchte andere Häuser und Höfe auf, befragte freundlich die darin wohnenden, meist rege beschäftigten Menschen. Geduldig wiederholte er sein Anliegen, formulierte es jedes Mal aufs neue, aber ausnahmslos erhielt er die gleiche verneinende Antwort.

Daraufhin entschloss er sich in die nächste größere Stadt zu gehen, um seine Suche fortzusetzen. Hier gab es noch viel mehr Personen, die er um Auskunft bitten konnte, und so klopfte er an die Türen und Fenster und stellte denen, die ihm öffneten, die für ihn so wichtige Frage. Jedoch auch hier und in vielen anderen Städten erging es ihm nicht besser als zuvor. Wen er auch ansprach, keiner konnte ihm in seiner Angelegenheit weiterhelfen. Viele seiner Artgenossen schimpften sogar lauthals, er solle ihnen nicht die wertvolle Zeit mit seinen unvernünftigen Fragen stehlen und sie nicht weiter mit seinen Dummheiten belästigen.

Aufgrund dieser Begebenheiten etwas nachdenklich geworden, beschloss der Mann schließlich den kleinen Ner Dakik an einsamen Orten, auf eigene Faust, ganz ohne die Hilfe anderer zu suchen. Er ging dorthin, wo er keine Menschen vermutete und hielt Ausschau, so aufmerksam wie nie zuvor. Eifrig streifte er durch Wiesen und Wälder, erklomm Berge und durchquerte Täler, aber der kleine Ner Dakik war nirgendwo zu entdecken.

Der Mann gönnte sich keine Pause, gab nicht auf, kroch in Höhlen und kletterte auf Bäume, tauchte in Flüssen und Seen, lauschte überall den Tieren, den Stimmen der Natur, jedoch vergeblich. Nicht die geringste Spur wollte sich zeigen.

Nach vierzig Tagen erfolgloser Suche bis in die entlegensten Winkel waren seine Zuversicht und seine Kraft entschwunden. Er hatte sich völlig verausgabt.

Enttäuscht begann der Mann zu denken, dass er sich wohl geirrt habe, dass es wirklich kein Wesen Namens Ner Dakik gäbe, da er ja alles abgesucht habe und es somit unmöglich sei, dass es sich noch irgendwo vor ihm versteckt aufhalten könne. Die anderen, die immer sagten, er solle nicht soviel phantasieren und sich lieber um seine Flickschusterei kümmern, hatten wohl doch recht gehabt. Ihm war nun nichts mehr geblieben. Seine letzte Zuversicht schien entzwei. Selbst seinen Stab und das Tuch, mit dem er seine Suche begonnen hatte, waren ihm unterwegs abhanden gekommen.

Das Herz und der Wille des Mannes waren jedoch noch nicht vollends gebrochen. Mit dem letzten Anflug an Energie und Willenskraft vertrieb er seine trostlosen Gedanken. Er wusste nicht wie es weitergehen sollte, hatte keine Idee mehr, wo und wie er den kleinen Ner Dakik noch suchen könne. Es blieb ihm nichts übrig als den weiten Rückweg nach Hause anzutreten. Doch seinen Glauben und die  Hoffnung wollte und konnte er nicht vollends begraben. Traurig und müde schlich er mit hängendem Kopf von dannen.

Schließlich nach langem beschwerlichen Weg erreichte er endlich mit letzter Kraft seine karge Hütte, öffnete die verriegelte Tür, um sich erschöpft niederzulassen. Sein letztes Sehnen war nun entschwunden. Er begann sich damit abzufinden, dass er sein Ziel nicht erreicht hatte, der kleine Ner Dakik unauffindbar blieb, und jede Möglichkeit ihm Ansichtig zu werden, gänzlich erloschen schien.

Unbewusst, ganz ohne sein zutun, krampfte sich das Herz des Mannes noch einmal  zusammen. Wie ein letztes Aufbäumen, bevor die Trostlosigkeit ihn zu ersticken drohte, völlige Finsternis ihn umgab, streckte er die Arme zitternd zum Himmel, schrie die Bitte seines Herzens stumm gegen den Himmel: "Wo bist Du? Ner Dakik? Wo bist Du? Warum hast Du mich verlassen?"

Und wie es die Geschichte uns erzählt, geschah es daraufhin, dass sich etwas Unerwartetes mit dem Manne ereignete.

Wie ein wunderschönes seidenes Tuch, das man nach einer langen Zeit des Verlustes ganz unerwartet beim Entleeren seiner Taschen entdeckt und wie zufällig mit größter Verwunderung herauszieht, obwohl es doch immer ganz nahe war, breitete sich ein strahlendes Wesen vor ihm aus. Es schien, wie aus ihm selbst, aus seinem eigenen Inneren zu kommen und doch auch alles zu umhüllen, was ihn äußerlich umgab. Langsam, wie die aufgehende Sonne, tauchte sich der Raum um ihn herum in einen wundervollen, hellen Schein mit einem zärtlichen Hauch von Wärme und Geborgenheit.

Nach einiger Zeit des andächtigen Staunens hauchte der Mann mit kaum hörbarer Stimme: "Wer bist du?"

Sogleich vernahm er eine Antwort: "Ich bin der kleine Ner Dakik, den du schon solange kennst und von dem du immer gesprochen hast."

Die Augen des Mannes leuchteten auf. "Ja aber, wie kann das sein ? Warum bist du hier? Ich habe dich doch überall gesucht!"

"Ich war immer bei dir", erklärte der kleine Ner Dakik mit ruhiger Stimme, "sonst hättest du doch gar nicht gewusst, dass es mich gibt und mich so sehnsüchtig überall finden wollen. Nur hast du mich nicht wahrgenommen und bist immer an mir vorbeigelaufen, obwohl ich überall bin. So wie alles durch das Wort getragen ist, war auch ich in allem immer anwesend."

Glücklich aber auch beschämt von der ungeheuren Ausstrahlung des kleinen Ner Dakik, stammelte der Mann: "Weshalb habe ich dich denn die ganze Zeit gesucht, draußen in der Welt, wo du doch schon immer bei mir warst? Ich bin doch wirklich schrecklich dumm!"

Der kleine Ner Dakik antwortete: "Ein Mensch der glaubt zu wissen aber nichts weiß, sagt: ‚Ich weiß.'
Ein Mensch der glaubt klug zu sein und auch klug ist, sagt: 'Ich weiß dass ich nichts weiß.'
Ein Mensch der das Ziel fast erreicht hat und weise ist, sagt: ‚Ich bin der, der macht, dass ich weiß, dass ich nichts weiß, und der sagt: Ich bin.'"

Nach einer kurzen Pause des Schweigens sprach er sanft weiter: "Gib mir deine Hand und halte dich gut fest. Ich bin dein ‚Ich bin' und ich wirke in dir um dir etwas zu zeigen."

Ohne zu überlegen und zu zögern, der Mann war von der Art des kleinen Ner Dakik gänzlich verändert worden, folgte er nun willenlos der freundlichen Aufforderung. In blindem Vertrauen streckte er ihm seine Hand entgegen, und als sie sich ihre Finger berührten, stieg ein unbeschreiblich schönes Gefühl in ihm empor. Er schien nach und nach mit seinem Gegenüber zu verschmelzen, hatte das Gefühl aufzusteigen, zu schweben so als ob er flöge. Alles um ihn herum verwandelte sich.

Noch einmal erlebte er seine Suche nach dem kleinen Ner Dakik, sah sich selbst und alle Begebenheiten erneut, wurde durch Raum und Zeit getragen, bewegte sich wie schwerelos geleitet durch ein strahlendes Licht. Was immer ihm ein zweites Mal begegnete, Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge, es war unbeschreiblich und wunderbar, in einen weiten Zusammenhang gerückt, mit einer endlosen Fülle verbunden. Die Eindrücke waren aus einer anderen Welt, und sie waren schöner und heller, als er es sich jemals hätte vorstellen können.

Überglücklich und ohne eine Frage auf den Lippen verweilte er, schmeckte die Farben und den Gesang der Worte der Erzählungen seines himmlischen Freundes, der alles Wahrnehmbare wie eine Melodie auszuströmen schien. So formte sich Sein Eines immerwährendes Licht, durch Worte in des Mannes Gesicht, und weihte ihn ein, in dieses Licht.

Erst nachdem er einige Zeit, die ihm unendlich lange vorkam, ganz im Bann dieser einzigartigen Eindrücke gestanden hatte,  schwanden die lichten Begebenheiten dahin. Er erinnerte sich noch wie der kleine Ner Dakik ihm einen Klaps auf die Oberlippe gab, und er sogleich wie durch graue Schleier in die Dunkelheit rauschte. Die Einsicht wechselte langsam in seine gewohnte Sicht. Er befand sich wieder in seiner Hütte.

Nach Minuten, die er schwer wie regungslos da saß, ohne zu denken und etwas wahrzunehmen, bemerkte er wie durch einen grauen Nebel schimmernd, sein goldgelbes Tuch, das ihn auf seiner Suche durch Städte und Wälder begleitet hatte und welches er verloren glaubte. Seine Finger waren tief in den Stoff verkrampft und unwillkürlich begann er zu weinen. Mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen dachte er an die letzten gemeinsamen Eindrücke zusammen mit seinem bezaubernden Begleiter, der ihm gerade eben noch diese traumhafte Vorführung geschenkt hatte.

Er fühlte sich unendlich einsam und traurig so plötzlich wieder ganz alleine zu sein. Während der Zeit vor seiner Suche, draußen in der Welt, hatte er sich lange in diesem isolierten Zustand befunden, und nur die Sehnsucht nach dem kleinen Ner Dakik hatte ihn über Wasser gehalten. Nun flossen die Tränen in zwei langen Rinnsalen ungehindert über sein Gesicht, tropften auf das eine Tuch, das er zitternd in den Händen hielt. Sollte alles nur ein Trugbild gewesen sein?

Als er sich etwas beruhigt hatte, sah er sich um. Der kleine Ner Dakik war tatsächlich fort. Nirgends eine Spur von ihm. Doch irgend etwas hatte sich doch verändert. Der Raum, in dem er sich befand, schien ihm heller und wärmer als zuvor zu sein. Alle Farben die sich in seinen Augen niederschlugen, schienen ihn förmlich zu durchdringen und eine ungewohnte Intensität zu erlangen. Er schaute herunter auf das Tuch in seinen Händen. Etwas unbeholfen ließ er es durch die Hände gleiten und vernahm dabei ein leises Rauschen, wie das Fließen und Plätschern eines entfernten Baches.

Erstaunt betastete er den Stoff, aus dem die Klänge heraus zu strömen schienen. Zum ersten Mal nahm er ein goldenes Glitzern des Tuches wahr, sog seinen Geruch, die Farben und Muster förmlich in sich auf. Er fühlte die sanftweiche Beschaffenheit der Fasern wie einen Windhauch, der seinen ganzen Körper umhüllte, und mit jedem Härchen seiner Haut in Verbindung stand, und sie in sanfte Vibrationen schmiegte.

Es war ihm, als spürte er die warme Feuchtigkeit der Tränen, die das Tuch benetzten, so als stünde er in einem warmen Regen goldener Tropfen, seinen eigenen Tränen, die langsam über den  Körper rannen, und ihm das Gewebe des Tuches wie seine eigene Haut, als sei es ein Teil von ihm, ja wie sein eigener Leib, erscheinen ließen.

Er sah, dass der Stoff des Tuches auf der einen Seite aus vier verschiedenen Fasern gewoben war: Goldenen wie das Feuer, Silbrigen wie das Wasser, Blauen wie die Luft und Braunen wie die Erde, wovon die letzteren sich aus den drei vorangegangenen Fäden zusammensetzten. Insgesamt ergaben sich alle Farben in einer vollkommenen Harmonie.

Der Mann bemerkte, dass diese Fäden ständig in Bewegung waren. Sie verflochten sich unentwegt aus allen Richtungen in neue Muster und das Verweben ergab ein Rauschen, aus dem sich anziehende Klänge und Melodien, langsam heraus zu kristallisieren begannen. Eine wunderschöne betörende Musik drang an sein Ohr, und wie ein simultaner Sog drang der wohlriechenden Geruch des Tuches in ihn ein und hinterließ einen erlesenen bittersüßlichen Geschmack in seinem Munde.

Mit dem Blick weiter auf das Tuch gerichtet sah der Mann in sein vergangenes Leben. Seine Sinne hatten nie die Kraft besessen, der verführenden Schönheit der Erscheinungen zu widerstehen, die nun wie eine Aneinanderreihung glänzender Perlen vor ihm lagen. Er war gefangen gewesen, immer gebunden an eine einzige Schnur, die ihn wie einen Wurm hatte auf dem Tuch kriechen lassen, von einem sinnlichen Vergnügen zum anderen, ohne bemerken zu können, wohin sein Weg ihn eigentlich führte.

Der Mann wurde gewahr, dass sich alle Menschen auf dieser Seite des Tuches ineinander verstrickten. Jeder schien sein eigenes Ziel, seine eigene Perle zu suchen. Wie an magischen Fäden gezogen, steuerten sie letztendlich auf schwarze Punkte zu, die auf dem Tuch wie unendlich tiefe Risse aussahen, in denen sie alle restlos zu verschwinden schienen. Diese dunklen Brüche waren in die Gesamtheit des Tuches stimmig integriert, und zusammen mit dem farbigen, umliegenden Gewebe bildeten sie ein perfektes Ganzes, genau so, wie die Schatten in einem meisterhaften Gemälde.

Nach einer Weile von diesem Anblick gefesselt, drehte der Mann das Tuch auf die andere Seite.

Hell funkelnd glänzte sie ihm entgegen und reflektierte wie ein transparenter Spiegel. Während er hinein sah, schaute er in die Weite des schillernden Universums, in die glitzernde Leere des Alls, entfernte sich unendlich, und doch hatte er dabei das bestimmte Gefühl, tief in die Mitte seines eigenen Herzens zu schauen.

Beim genauen Betrachten sah er, dass das Funkeln von einzelnen Fäden stammte, die von der gegenüberliegenden Seite des Tuches durchschimmerten. Sie hatten sich gelöst und waren voller Vertauen auf der Suche nach einem anderen Ziel zum Vorschein gekommen. Ohne so recht zu wissen weshalb und wozu, ließen sie das vehemente Ziehen der groben Fäden außer Acht, und kamen einer nach dem anderen, frohen Mutes auf der jenseitigen Seite des Tuches, als winziger Lichtpunkt am Ende eines feinsten Fadens zum Vorschein.

Obwohl diese Menschen, die eine andere Richtung eingeschlagen hatten, noch mit den groben Fäden verbunden waren, empfingen sie das zarte Licht, während sie staunend und ohne einen eigenen Wunsch in Richtung des Ursprungs aller Fäden gelaufen waren.

So kam es, dass ihr Erscheinen, die hellen Funken auf der transparentreflektierenden dunklen Seite des glänzenden Tuches bildeten, und sie diesen unbeschreiblich prachtvollen Sternenspiegel ausschmückten, in dem sich die vierfarbigen Fäden der andere Seite wiederspiegelten.

Der Mann schaute auf.
Dann blickte er nach einer Weile wieder in das Tuch.
Vorsichtig wendete er es in seinen Händen, drehte es einige Male behutsam hin und her und tastete zwischen dem Daumen und den vier Fingern seine wundersame Beschaffenheit.

Achtsam, als streichelte er die beiden Flügel eines neugeborenen Schmetterlings, ließ er seine Finger durch den unmerklichen Stoff gleiten, der sich anschmiegsam vor ihm ausbreitete. Wie ein Säugling, der den ersten Tropfen der Muttermilch empfängt, floss von seinen Fingerspitzen ausgehend, ein unbeschreibliches, hauchfeines Gefühl von zärtlichster Freiheit und Geborgenheit in ihm empor. Lächelnd sehnte sich der Überfluss diese Güte nach dem verborgenen Quell bedingungslosen Freigiebigkeit, mit der sie sich im Herzen des Mannes voll der Freude umarmte.

Seit diesem Tage, erzählt der glückliche Mann die Geschichte von dem kleinen Ner Dakik.
Und er tut dies für alle, die sich einsam und verlassen fühlen, die von Ungemach und Verzweiflung gepackt werden, die so wie einst auch er, dieses unbestimmte aber sichere Gefühl in sich tragen, dass es da noch etwas anderes gibt, ... nämlich das fliegende Wesen mit dem unaussprechlichen Namen: "Ner Dakik".

Doch bevor der Mann mit dem Erzählen beginnt, schreitet er aufrecht zu der alten Kommode, auf der ein kleines, verziertes Kästchen thront und dessen Deckel er behutsam öffnet. Sein Blick schweift kurz auf die Innenseite der Schatulle, in der die Konsonanten der Buchstaben der Geschichte in feinen Lettern eingraviert stehen. Nun nimmt er bedächtig sein goldenes Lieblingstuch heraus und betrachtet es still in seinen Händen, hebt es dann zärtlich, liebevoll streichelnd und schmiegt es an seine Wangen. Wie im Tanz dreht und hüllt er sich hingebungsvoll in den Hauch des betörenden Geruchs von Glück und Dankbarkeit, an die Erinnerung seines Zusammentreffens mit dem kleinen Ner Dakik, den er ganz tief in sein Herz geschlossen hat und den er niemals mehr vergessen wird.

Dann erst singt er die farbigen unaussprechlichen Worte Des Glanzes und füllt Sie mit Dem Einen Licht der Anderen Seite des Spiegelnden Tuches.

 

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