Eine
Geschichte
über den Allmächtigen
Ein Märchen für Erwachsene über den traurigen Zauberer
von Rabbi Michael Laitman
Übersetzung von Sofia Batyreva
Wissen Sie, warum ausschließlich Greise all die Märchen erzählen? Märchen sind nämlich das Klügste auf der ganzen Welt! Denn alles vergeht, und nur wahre Märchen bleiben am Leben... Märchen sind Weisheit. Um Märchen zu erzählen, muss man viel, ja, sehr viel wissen, Und erblicken, was für andere verschleiert bleibt. Und dafür muss man lange leben. Deshalb können nur Greise all die Märchen erzählen, Und so steht es im größten und ältesten Zauberbuch: "Ein Greis ist jener, der die Weisheit erlangte!"
Und die Kinder... Sie lieben es so sehr, Märchen zu hören, Weil sie die Phantasie und den Verstand haben, Sich alles auszumalen und nicht bloß das, was wir alle sehen. Wenn ein Kind erwachsen wird und dennoch sieht, Was die anderen nicht merken, Weiß es, dass die Phantasie doch Wahrheit ist! Es bleibt daher ein Kind, ein weises Kind, "Ein Greis, der die Weisheit erkannte", Wie es in dem größten und ältesten Zauberbuch, Dem "Sohar", geschrieben steht. Es war einmal ein Zauberer, Der groß, wunderlich, und schön, sehr liebenswürdig und herzlich war. Er war jedoch allein, und es gab niemanden, Der in seiner Nähe lebte, Es gab niemanden zum Spielen und zum Sprechen, Mit dem er alles teilen konnte, Es gab niemanden, der ihn wahrnahm. Was konnte er dagegen tun?... Es ist ja traurig, allein zu sein!
Er grübelte darüber danach: "Was wäre wenn ich einen Stein schüfe, Bloß einen kleinen aber wunderschönen Stein? Vielleicht genügt mir das? Ich werde diesen Stein streicheln, fühlen, dass Es etwas in meiner Nähe gibt, Und dann wirds uns beiden gut gehen, Es ist ja traurig, allein zu sein!"
Er winkte mit dem Zauberstock: "Tschak-Tschak", In der Nähe tauchte ein Stein auf, Ein Stein, wie er ihn sich gewünscht. Er streichelte den Stein und umarmte ihn, Doch der Stein blieb für immer stumm und völlig reglos, Selbst grob geschlagen, selbst sanft liebkost, Blieb er ewig starr und ganz gefühllos. Was sollte nun der Zauberer mit dem stillen Stein?
Er probierte, noch mehr Steine zu schaffen, Verschiedene andere Steine, Felsen und Berge, Landschaften, Länder, Die Erde, die Sonne, den Mond. Füllte das ganze All mit lauter Steinen, Und sie waren alle stumm wie ein einziger Stein, Gaben ihm keine Antwort, Und er fühlte schon wieder, Wie traurig es ist, allein auf der Welt zu sein. Nun dachte der Zauberer, "Anstelle der Steine erschaffe ich vielleicht eine Pflanze, Ja, - eine Blume, die schön ist. Ich gieße sie täglich mit Wasser, Ich verwöhne sie mit frischer Luft und viel Sonne, Ich kümmere mich ganz um die Blume, Sie wird fröhlich und glücklich mit mir. Wir beide werden zufrieden sein, denn Es ist traurig, allein zu sein."
Er winkte mit dem Zauberstock: "Tschak-Tschak", In der Nähe tauchte eine Blume auf, Eine Blume, wie er sie sich gewünscht. Und der Zauberer fing nun an, vor Freude vor der Blume zu tanzen, Doch die Blume tanzte nicht, drehte sich nicht, Konnte ihn beinahe nicht spüren, Antwortete bloß auf das, was der Magier ihr brachte: Goss der Zauberer seine Blume - wachte sie bildschön auf, Machte er es nicht - starb die Blume. Wie ungerecht war es, dem liebevollen Zauberer so geizig zu begegnen! Dem, der entschlossen war, sein ganzes Herz zu schenken!... Wem nur? Was konnte er bloß tun? Es ist ja traurig, allein zu sein.
Und der Zauberer fing an, noch mehr Pflanzen zu schaffen, Große und kleine, Gärten und Wälder, Haine und Felder... Und Sie waren alle wie eine einzige Pflanze, Gaben ihm keine Antwort. Wie traurig war er, allein zu sein...
Er dachte lange nach. "Was wäre wenn ich irgendein Tier schüfe! Nur was für eins? - Einen Hund. Ja, freilich, einen Hund. So einen zärtlichen und lustigen und kleinen. Ich werde immer mit ihm spielen, Zusammen werden wir spazieren gehen, mein Hund wird rennen, Vor, hinter mir und um mich herum. Und stets wenn ich nach Hause in mein Schloss zurückkehre, Nein, in unser Schloss zurückkehre, Kommt er mir schon entgegen, Zusammen wird es uns gut gehen, Es ist ja traurig, allein zu sein!" Er winkte mit dem Zauberstock: "Tschak-Tschak", In der Nähe tauchte ein Hündchen auf, Ein Hündchen, wie er es sich gewünscht. Er fing an, für das Tier zu sorgen, Gab ihm Essen und Trinken, liebkoste es, Wusch es, ging allzeit mit dem Hund spazieren - Machte alles für ihn, Aber die Liebe, Liebe des Hundes, War ganz der Wunsch, nahebei zu bleiben, Wo auch immer sein Herr sich befand.
Leider musste der Meister erkennen: Selbst der Hund, Mit dem er wundervoll spielte, Konnte nicht mit der Liebe antworten, Die er diesem Tier stets schenkte. Er war nicht fähig, sein Freund zu sein, Wusste gar nicht zu schätzen, Was der Magier für ihn machte! Jedoch nur dies wünscht sich der Meister!
Er fing an, weiter Leben zu schaffen, Fische, Echsen und Vögel und Tiere. Nur wurde es bald noch viel schlimmer: Niemand fähig war, ihn zu verstehen, Es war traurig, allein zu sein.
Lange dachte der Meister nach, Dann wusste Er, "Mein richtiger Freund wär jener, Der mich wirklich viel bräuchte und suchte. Es wär einer, Der könnte, so wie ich leben, So wie ich schöpfen, So wie ich lieben. Nur dann wüsste er, mich zu verstehen.
So wie ich sein? Tja, ... Wer könnte mein Ebenbild werden? Meine Gaben bewundern, mir Gleiches verschenken - Liebe, die ich sehr bräuchte, Wer kann derart sein? Wir beide werden glücklich zusammen, Es ist traurig, allein zu sein!..." Wieder dachte der Meister nach, Und der Mensch kam in den Sinn ihm, "Was wäre wenn er mein Freund, Vertrauter, So wie ich sein könnte? Dazu braucht er nur Hilfe von mir. Dann wirds uns beiden sehr gut gehen, Es ist traurig, allein zu sein!...
Um zu zweit jedoch Glück zu riskieren, Muss er leidend erst spüren, Wie verlassen er ohne mich, Wie ich einsam ohne ihn wäre. Wie traurig es ist, allein zu sein!..."
Wieder machte er "Tschak-Tschak" mit dem Zauberstock, In der Ferne entstand ein Ort, An dem Ort erschien ein Mensch...
Doch ist er so weit vom Magier entfernt, Dass er sein Dasein nicht fühlt. Er ahnt nicht mal den Meister, Der alles erschuf - ihn und alles für ihn. Steine, Pflanzen, Tiere und Vögel, Häuser, Berge, Felder und Forst, Den Mond und die Sonne, Regen und Himmel Und viel mehr noch - Alles, die Welt... Selbst Computer und Fußball! All dies hat der Mensch... Nur der Magier ist einsam geblieben, Allein und traurig auf der Welt!
Doch spürt der Mensch einfach nichts, Ahnt gar nichts von Dem, Der ihn schuf und so liebt, Der geduldig ihn ruft: "Komm, siehst du mich nicht, Was du hast, all dies ist mein Geschenk, Komm, sei mir nahe, Beide werden wir glücklich, Sonst ist es traurig hier, Ohne dich auf der Welt!" Gewiss kann nicht der zufriedene Eigner, Der Inhaber, Herrscher des Computers und Fußballs, Der Mensch, der den Magier nicht kennt, Sich wünschen, Ihn plötzlich zu finden, erfahren, Ihm näher zu sein, Ihn fühlen, Ihn mögen, Zu streben nach Freundschaft, herzlicher Liebe... Und Ihm auch sagen: "Komm, sei doch bei mir, Beide werden wir glücklich, Ich bin traurig hier, allein auf der Welt!"
Der Mensch kennt nur den, der ihm ähnelt, Vertraut ist er mit Alltag und Leben Von seinem Nächsten. Er weiß so zu sein, zu handeln, zu sprechen, Zu wünschen, wie alle, jedermann hier: Die Großen nicht ärgern, charmant bitten, falls nötig. Computer - Zuhause, Fußball am Weekend. Der Mensch hat, was er wünscht, Und Wunsch nach dem Wissen vom Unglück des Meisters, Ist nicht Teil der Wünsche des sterblichen Menschen...
Der allmächtige Meister ist weise und gutherzig, Unerkannt, unbeachtet erblickt er den Menschen, Zu besonderer Stunde Macht er still und bedächtig, Behutsam, unhörbar "Tschak-Tschak",
Schon ist es unheimlich, einsam für den Menschen So wie früher zu leben, zu handeln, da zu sein, Computer und Fußball sind nicht mehr begehrt. Und er will und er sucht einen Hauch, eine Spur, Unerfahren, unwissend sucht er nach dem Meister, Der ihn leicht anfasste, mit dem Wunderstock berührte, Sein Herz rasch beflügelte und zärtlich ansprach: "Komm, sei doch bei mir, Beide werden wir glücklich, Du bist traurig hier, allein zu sein!" Der allmächtige Meister ist weise und gutherzig, Wieder hilft er dem Freund, dem freudlosen Menschen. Ein einziger Wink, ein "Zauber-Tschak" - In der Ferne sieht der Mensch eine Zauberburg, Voller Wunder und Güte, Wo der Magier selbst ihn erwartet, Wo sie nur zu zweit glücklich werden!
"Wo steht diese Burg? Wer zeigt mir den Weg? Wie kann ich Ihn sehen?" Fragt sich der Mensch... "Und wie ist es - Ihn finden, erkennen?"
Stets klopft sein Herz: "Tschak ... Tschak", Er kann nicht ruhig schlafen, gut essen, Nah und fern bildet er sich Viele Schlösser und Magier ein. Ohne Zauberer will er nichts mehr tun, Und zu zweit wird alles recht für ihn sein!...
Um dem Freund zu ähneln, So wie Er zu sein - Weise, gütig, liebevoll, treu, Ist noch viel zu erlernen, Ist noch viel zu begreifen: Seine Taten und Haltung, Seine Großmut und Liebe. Ein Wink mit dem Wunderstock, Ein Schwung, ein "Tschak" Ist hier machtlos. Ganz allein muss der Mensch alles lernen, Alles selber begreifen. Wie soll er das tun?...
Der Magier führt den Menschen Unbemerkt und behutsam, Schritt für Schritt, sehr zärtlich und still Zu dem Zauberbuch, Buch der Weisen. Er macht "Tschak-Tschak" .... "Tschak-Tschak", Er führt ihn zur größten und ältesten Schrift, Dem "Zohar".
Hier findet er all die Antworten Auf all seine Fragen, Den Weg zu dem Meister, Was zu tun ist und zu lernen, Um den Magier zu finden, Sonst ist es traurig hier, allein zu sein!
Und der Mensch überstürzt sich, Er will rasch bei Ihm sein, In die Burg einschleichen, Seinem Freund zu sagen: "Lass uns endlich zusammen finden, Es ist traurig hier, allein zu sein..."
Um die Burg herum steht die Mauer, Und die strengen Wächter bewachen sie, Und je höher der Mensch steigt, Desto schroffer schieben ihn Wächter fort davon, Desto schlimmer stürzt der Mensch Von der Höhe ab. Kraftlos, abgestumpft spricht er nun Seinen Meister an: "Wo ist hier jetzt Deine Einsicht? Warum quälst Du mich? Warum machst Du so, Dass ich ohne Dich Nichts als Leiden spür."
Und mit einem Mal fühlt er "Tschak", Erneut strebt er vorwärts hoch Durch Gemäuer und Wächter, Ins verriegelte Tor, in die Burg hinein, Zum allmächtigen Magier...
Durch die Schläge und Unglück Hat der Mensch jetzt die Kraft, Willensstärke und Weisheit. Aus Enttäuschung wächst der Wunsch: Er lernt selber das Zaubern Wie der Zauberer selbst. Er lernt Schöpfen, Und dies kann nur der Zauberer. Aus Tiefe des Unglücks wächst die Liebe. Und nun wünscht er nur Seine Nähe, Das Können, Ihm alles, Das Ganze zu geben. Er wünscht, Ihn zu sehen, Nichts zu bitten und nichts zu erbetteln. So wird er glücklich, Sonst ist es traurig hier, allein zu sein!
Wenn er nicht weiter weiß, - Er hälts nicht mehr aus, Ohne Meister zu sein, verlassen, allein, - Erst dann öffnet sich das ersehnte Tor. Aus der Burg kommt der Meister, Eilt freudig dem Menschen entgegen, Spricht ihn an: "Komm, lass uns gehen, Wir beide wissen nun, Es ist traurig, elend, allein zu sein!"
Und seitdem sind sie ewig vereinigt, Sie sind treue und zärtliche Freunde. Und die Liebe erfüllt ihre Herzen so, Dass sie nicht mehr wissen, Wie traurig es ist, allein zu sein!...
Wenn Du auch im Herzen so leise fühlst: "Tschak-Tschak", (Jeder kann es verspüren, Man muss sich zuhören) Dann ist es wichtig für Dich, Ihn zu treffen, sich mit Ihm zu vereinen Und Glück zu erleben, Sonst bist Du traurig hier, alleine... Suche Dir den Beistand des Meisters.
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